Es ist ein schleichender Prozess. Hohe Blutzuckerwerte greifen über Jahre hinweg die Gefäße an und setzen allmählich die Nieren außer Gefecht. Meist völlig unbemerkt, weil die Veränderungen im Nierengewebe schmerzlos ablaufen. Und irgendwann ist es zu spät, um die Folgen noch abzuwenden.
Diabetes ist die häufigste Ursache für ein chronisches Nierenversagen. In Deutschland müssen deshalb etwa 20.000 Diabetiker regelmäßig zur Blutwäsche (Dialyse). So weit muss es aber nicht kommen.
Wer sich konsequent an die folgenden sieben Grundsätze hält, kann selbst viel dazu beitragen, damit ein diabetischer Nierenschaden verhindert oder frühzeitig erkannt wird. Dann lässt er sich oft noch rückgängig machen oder wenigstens begrenzen.
Das Zucker-Messgerät, der kleine Helfer
Erhöhte Zuckerwerte fördern Schäden an den Blutgefäßen. Besonders anfällig sind die Nierenkörperchen, die kleinen Gefäßknäuel in den Nieren, in denen Schadstoffe und Abbauprodukte des Stoffwechsels aus dem Blut in den Harn gefiltert werden.
Studien haben gezeigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Blutzuckereinstellung und der Entwicklung bzw. dem Fortschreiten eines diabetischen Nierenschadens gibt. Eine gute Blutzuckereinstellung trägt deshalb entscheidend dazu bei, dass die Nieren gesund bleiben. Idealerweise sollte der HbA1c-Wert, das "Blutzucker-Gedächtnis", unter 6,5 Prozent liegen.
Sehr wichtig: die regelmäßige Blutdruckmessung in Ruhe und zu festen Tageszeiten
Hoher Blutdruck setzt den Gefäßen noch mehr zu als erhöhte Blutzuckerwerte. Schon ab einem oberen (systolischen) Wert über 130 und einem unteren (diastolischen) Wert über 85 steigt das Risiko für eine Nierenerkrankung stark an. Daher ist das oberste Ziel, um Nierenschäden zu vermeiden oder aufzuhalten, eine möglichst gute Blutdruckeinstellung. Der Wert sollte unter 130 zu 80 mmHg liegen.
Wenn bereits eine Nierenschädigung mit einem Eiweißverlust von mehr als 1 Gramm pro Tag vorliegt, ist ein Wert unter 125 zu 75 mmHg anzustreben. Dabei verschreibt der Arzt als Blutdrucksenker bevorzugt ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker, weil diese Substanzen einen Nierenschaden am besten aufhalten oder verzögern können.
Weniger Eiweiß und Salz - ein Tisch-Gebot für Diabetiker
Eiweißreiche Ernährung kann das Fortschreiten einer Nierenschwäche fördern. Deswegen wird Patienten mit Nierenschaden oft empfohlen, mit Eiweiß zurückhaltend zu sein. 0,8 bis 1 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag – mehr sollte es mit Rücksicht auf die Nieren nicht sein. Viel Eiweiß steckt beispielsweise in Fleisch (40 Gramm in einem 200-Gramm- Steak!) und Wurst, aber auch in Milchprodukten und Fisch.
Weil Kochsalz hohen Blutdruck begünstigt, der wiederum die Nieren angreift, sollte man außerdem sparsam mit Salz umgehen. Sehr viel trinken, um die Nieren zu "spülen", ist nicht nötig. Zu wenig sollte es aber auch nicht sein: Mindestens zwei Liter pro Tag, raten Experten. Bei schwerer Nierenschwäche muss die Trinkmenge mit dem Arzt abgestimmt werden.
Weg mit dem Glimmstängel - am besten mit professioneller Hilfe
Ein diabetesbedingter Nierenschaden schreitet bei Rauchern schneller fort. Auch benötigen sie früher eine Dialyse (Blutwäsche) als Nichtraucher. Das haben Studien bewiesen. Denn Nikotin ist nicht nur Gift für die Blutgefäße. Es erhöht auch den Druck in den Gefäßknäueln der Niere und schwächt deren Filterleistung.
Wer aufs Rauchen verzichtet, kann das Fortschreiten des Nierenschadens verzögern. Geben Sie nicht gleich auf, wenn Sie es nicht auf Anhieb schaffen. Reden Sie mit Ihrem Arzt – es gibt Hilfen.
Die Kilo purzeln lassen: das ist für Diabeitker besonders wichtig
Übergewicht abzubauen ist vor allem deshalb wichtig, weil sich damit auch die Blutzucker- und Blutdruckwerte verbessern lassen. Hohe Blutzucker- und Blutdruckwerte gehören zu den Hauptursachen eines diabetischen Nierenschadens. Daneben gibt es Hinweise, dass starkes Übergewicht (Adipositas) die Nieren auch direkt schädigt. Die genauen Zusammenhänge sind aber noch unklar.
Kürzlich fanden italienische und amerikanische Wissenschaftler heraus, dass Diabetiker mit einer Leber-Verfettung auffallend häufiger einen Nierenschaden entwickeln. Sie vermuten, dass aus den verfetteten Leberzellen vermehrt Substanzen freigesetzt werden, die chronische Entzündungen im Körper fördern. Das könnte sich auch nachteilig auf die Nieren auswirken.
Dieser Rat bezieht sich vor allem auf frei verkäufliche Schmerzmittel aus der Gruppe der Antirheumatika, die zum Beispiel die Wirkstoffe Diclofenac oder Ibuprofen enthalten (in der Apotheke fragen). Von diesen Substanzen ist bekannt, dass sie angegriffene Nieren schädigen können.
Weil viele Arzneien über die Nieren ausgeschieden werden, kann sich ihr Spiegel im Blut bei einem Nierenschaden erhöhen. Bei einigen blutzuckersenkenden Medikamenten und auch bei Insulin muss deshalb eventuell die Dosis verringert, Metformin vielleicht sogar abgesetzt werden. Darüber wird Ihr Arzt mit Ihnen sprechen. Er kann die Nierenfunktion mit einer Laboruntersuchung ermitteln. Vor einer Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel sollten Sie den Arzt über Ihren Nierenschaden informieren.
Urin-Sticks bekommen Sie in Ihrer Apotheke
Eiweiß im Urin kann harmlose Ursachen haben, aber auch auf einen beginnenden Nierenschaden hindeuten. Dann sind kleine Eiweißkörper, die Albumine, über das durchlässig gewordene Filtersystem in den Harn gelangt. Handelt es sich nur um
geringe Mengen (Mikroalbuminurie, bis 200 Milligramm pro Liter), bildet sich der Schaden durch konsequente Therapie, vor allem durch verbesserte Blutdruck- und Blutzuckerwerte, oft zurück.
Bei einer Makroalbuminurie (über 200 Milligramm Eiweiß) klappt das nicht mehr. Um möglichst frühzeitig gegensteuern zu können, sollten Diabetiker einmal jährlich den Urin beim Arzt kontrollieren lassen oder selbst einen Mikroalbuminurie-Schnelltest aus der Apotheke machen. Wichtig: Eiweiß im Urin kann auch auf Gefäßschäden an Herz und Augen hinweisen. Lassen Sie sich durchchecken!
Fachliche Beratung:
Dr. med. Reiko Steinbach, Nierenspezialist am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel
Dr. Sabine Haaß / Diabetes Ratgeber;
06.03.2009, aktualisiert am 17.05.2011
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle, Jörg Neisel, W&B/Martina Ibelherr, Heike Geigl
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